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Mit hoher Lebenstagsleistung zur nachhaltigen Milchproduktion

14.07.2015 - Studie zur Ökobilanz auf Gut Hülsenberg


Milchkühe auf Gut Hülsenberg

Die Landwirtschaft ist auf die Nutzung natürlicher Ressourcen angewiesen. Um
diese langfristig zu erhalten, ist ein verantwortungsvoller und nachhaltiger
Umgang mit Ressourcen zwingend erforderlich.


Etwa 8 % der nationalen Treibhausgas-emissionen gehen in Deutschland auf den
Landwirtschaftssektor zurück.

Fast die Hälfte (46 %) davon entsteht in der
Milchviehhaltung.

Allerdings konnte die Effizienz der

Milcherzeugung in den letzten
25 Jahren durch eine Leistungssteigerung der Tiere bereits deutlich verbessert
werden. Dies bringt sowohl aus Sicht des Ressourceneinsatzes als auch im Hinblick
auf die Treibhausgasemissionen je kg Milch deutliche Vorteile mit sich.


In einer aktuellen Ökobilanz in Zusammenarbeit mit der BASF SE wurden die
Umweltwirkungen der Milcherzeugung auf Gut Hülsenberg mit denen des

Schleswigholsteinischen Durchschnittsbetriebes verglichen. In die Bilanz gingen nicht

nur das Treibhausgaspotenzial sondern auch Versauerung, Landnutzung, Energiebedarf,
Wasseremissionen und der Ressourcenverbrauch ein. Dabei wurden folgende
Parameter berücksichtigt: die Aufzucht der Kälber und Färsen, die Fütterung, das
Güllemanagement (inklusive teilweiser anaerober Vergärung in der Biogasanlage)
sowie die Haltung der Tiere für die Erzeugung von Milch und Fleisch.


Die Ergebnisse beziehen sich auf die Herstellung von 1.000 kg ECM (Energiekorrigierte
Milch; Standard: 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß). Die für die Ökobilanz
herangezogenen Daten zur Beschreibung eines durchschnittlichen
Milchviehbetriebes in Schleswig-Holstein stammen überwiegend von der
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2012. Analog wurden die
Daten der Milchproduktion auf Gut Hülsenberg erhoben und spiegeln ebenfalls die
Produktion im Jahr 2012 wider. Zusätzlich kamen Literaturdaten zum Einsatz, um z.
B. entsprechende Werte der enterischen Fermentation der Tiere zu nutzen. Die
wesentlichen Unterschiede der untersuchten Milcherzeugungssysteme liegen vor
allem in den Milchviehrationen, der Milchleistung, der Silierung des Grundfutters
sowie der Verwertung der anfallenden Rindergülle (s. Darst. 1).

 

19 kg Milch pro Lebenstag
In jüngster Vergangenheit steht zunehmend die Lebenstagsleistung der Milchkühe im
Mittelpunkt. Diese stellt die gesamte erbrachte Milchleistung je Kuh in Bezug auf ihr
Alter dar (Lebensleistung/Lebenstage). Aufzuchtphase und Erstkalbealter werden mit
einbezogen. Die Kennzahl ist ein wichtiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit der
Betriebe und somit primär von ökonomischem Interesse.
Berechnungen aus dem Jahr 2008 zeigen, dass die Gewinnschwelle der Betriebe mit
eigener Nachzucht bei 14 kg Lebenstagsleistung erreicht wurde (Harms, 2008). Gut
Hülsenberg erreichte im Jahr 2012 eine Lebenstagsleistung von 19 kg. In Schleswig-
Holstein lag dieser Wert durchschnittlich bei 12 kg. Zusätzlich kann dieser Wert auch
als Indikator für die Tiergesundheit gelten, da nur gesunde Tiere lange im Bestand
gehalten werden und entsprechende Milchmengen produzieren. Neben diesen
Auswirkungen hat die Lebenstagsleistung der Kuh auch einen ökologischen Effekt.

 

Nutzung der Produktionsmittel
Die Betrachtung der Milcherzeugung je Stallplatz in einem 10-Jahres-Zeitraum
verdeutlicht den wesentlich effizienteren Einsatz der vorhandenen Produktionsmittel
auf Gut Hülsenberg als im schleswig-holsteinischen Durchschnitt (s. Darst. 2). Grund
dafür ist die außerordentlich hohe Lebenstagsleistung der Hülsenberger Herde. Ein
hohes Milchleistungsniveau bei gleichzeitig langer Nutzungsdauer der Tiere,
verbunden mit guter Fruchtbarkeit und einem hohen Gesundheitsstatus sind
entscheidende Schlüsselfaktoren.
Mit einer hohen Lebenstagsleistung fällt die jährliche Remontierung des Bestandes
geringer aus, womit durchschnittlich weniger Ressourcen (vor allem Futter) für die
Nachzucht vorgehalten und eingesetzt werden müssen. Dies belegt eindrücklich,
dass die Milch nicht nur ökologisch, sondern selbstverständlich auch ökonomisch
vorteilhaft erzeugt wird.
Darüber hinaus sichern höhere Milchleistungen einerseits und eine längere
Nutzungsdauer andererseits eine effizientere Verwertung der Futternährstoffe
Resultat ist eine umweltfreundlichere Milchproduktion durch eine verminderte
Ausscheidung an Stickstoff, Phosphor, Methan und anderen Substanzen je kg Milch.
Diese Effekte sind nachvollziehbar, da sich die für den Erhaltungsbedarf notwendigen
Nährstoffmengen auf eine größere Produktmenge verteilen. Untersuchungen haben
ergeben, dass pro kg gesteigerter Lebenstagsleistung durchschnittlich 1 g Methan
bzw. 20 g Kohlendioxid pro kg erzeugter Milch eingespart werden (Ellis et al., 2007).

 

Ökologisch vorn
Die Ergebnisse der Ökobilanz überzeugen: Wie Darstellung 3 zeigt, hat die
Milchproduktion auf Gut Hülsenberg deutlich weniger Auswirkungen auf die Umwelt
als der durchschnittliche Betrieb in Schleswig-Holstein. In allen untersuchten
Kategorien sind die Werte für Gut Hülsenberg 10 bis 60 % günstiger. Zum Beispiel
liegt das Treibhausgaspotenzial der Milchproduktion 33 % niedriger als in Schleswig-
Holstein. Verantwortlich für das Treibhausgaspotenzial sind vor allem die enterische
Fermentation der Tiere (bis zu 2/3 des Gesamtbeitrags) sowie in geringerem Maße
auch das Güllemanagement (ca. ¼ des Gesamtbeitrags).
Insgesamt wird deutlich, dass vor allem die Futterproduktion gefolgt von den
enterischen Emissionen (Methanausstoß der Tiere) und dem Güllemanagement
(Lagerung und Ausbringung) die Haupttreiber der Umweltwirkungen bilden. Diese
lassen sich durch folgende Maßnahmen minimieren:

  • Fütterung: Gezielte Nährstoffversorgung der Tiere sowie gesenkte
    Grundfutterverluste sparen wertvolle Ressourcen ein.
  • Milchleistung: Höhere Milchleistung und eine höhere Lebenstagsleistung der
    Kühe führt zu reduzierten Methanemissionen je kg Milch.
  • Güllemanagement: Gasdichte Lagerung sowie angepasste Ausbringung der
    Gülle als Wirtschaftsdünger auf den landwirtschaftlichen Flächen tragen zu gesenkten Emissionen bei.
  • Biogasanlage: Anaerobe Verwertung der Gülle in der Biogasanlage führt zu
    reduzierten Emissionsfreisetzungen sowie zur Einsparung fossiler
    Energieträger.

 

Das Ziel in der Milcherzeugung muss folglich lauten: Aufzucht einer gesunden, gut entwickelten

und leistungsstarken Milchkuh sowie deren Nutzung über viele Jahre.
Eine solch nachhaltige Milchproduktion ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern
garantiert auch den wirtschaftlichen Erfolg.


Dr. Karoline Reckmann (Union Agricole Holding AG)
Dr. Christoph Günther (BASF SE)


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Juli 2015

Ökobilanz Darstellung 1
Ökobilanz Darstellung 2
Ökobilanz Darstellung 3